Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn wir das tun, was wir am besten können. Die ganze Nacht aufbleiben, Essen, Wein und Whisky-Sour trinken.
Wenn man abends um kurz nach sieben eine neue Wohnung betritt, mit hohen Decken und ebenso hohen Fenstern mit Gardinen, gedecktem Holztisch, Loungemusik und Rotweingläsern, fühlt man sich merkwürdig erwachsen und glaubt mit Sicherheit nicht, den Heimweg erst um vier Uhr morgens anzutreten. Denn es wird ja schließlich Montag, Arbeitstag und wir hatten uns vorgenommen, diesmal auf den Wecker zu hören, zwei Wecker zu stellen, viel Kaffee zu trinken, viel zu schreiben. Wenn aber nun vier Leute an einem Tisch sitzen, die allesamt nur sich selbst und ihre Magisterarbeit zum Herren haben, wird auch um zwei Uhr noch eine Flasche geöffnet, ein Whisky-Sour gemixt und mit Vollkornkeksen dem Kater vorgebeugt. Und es fällt schwer, sich über die eigene Unvernunft zu ärgen, wenn die Geschichten immer besser werden.
Ziwschendurch fiel die Frage 'Hat es eigentlich wieder geschneit?'. Nein? Nein, wird es doch auch nicht mehr, kommt jetzt nicht der Frühling? Auf dem Hinweg war es so.
Aber nachts bleibt es kalt und irgendwer hat tatsächlich noch einmal ein paar Millionen Tonnen Schnee über der Hansestadt ausgeklippt. Zwanzig Zentimeter Neuschnee auf den Bäumen, Büschen und Gehwegen, die nun fließend in Straßen übergingen. Ohne Spuren, alles unberührt und ungesehen, weil die Menschen schliefen und wohl nur die wahren Frühaufsteher und Nachteulen überhaupt mitbekommen würden, wie wunderschön diese Landschaft war, wenn man einfach nur ging, nichts musste und nichts hörte, nichts sah außer Schnee. Und eine kleine Maus, die versuchte unseren Weg zu kreuzen und bei unserem Auftritt panisch davon lief, so gut zu sehen im Schnee, eine gepunktete Linie hinter ihr. Was sind da zwanzig Minuten Fußweg von Altona nach Hause? Letzte Nacht wurden wir in ein Geheimnis eingeweiht, eine Stadt aus Watte zu einer Zeit, die zu früh oder zu spät für alle anderen ist.
Nicht ganz. Denn zum ersten Mal begegnete uns der Zeitungsmann, der jeden Morgen um halb fünf auch in unsere Straße einbiegt und der uns so lange Rätsel aufgab mit seinem knatternden Gefährt, das so überhaupt nicht in die Stille der Nacht passt.
Wenn man dann zur Mittagszeit aufwacht, das Schneewunder verschwunden, grausonniges Tageslicht und der Tag für die anderen in vollem Gange, fühlt man sich, als habe man das alles nur geträumt.
Bis die nächste Nacht kommt.